Neue Kulturhauptstadt überwindet Grenzen: Nova Gorica (Slowenien) und Gorizia (Italien)
- Otmar Lahodynsky
- 8. Feb. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Zum ersten Mal sind in diesem Jahr zwei Städte, die durch eine Staatsgrenze getrennt sind, gemeinsam Kulturhauptstadt Europas. Auf der einen Seite steht Nova Gorica, das nach dem Zweiten Weltkrieg von Grund auf neu errichtet wurde, als 1947 die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien künstlich gezogen wurde. Auf der anderen Seite liegt Gorizia, ein kulturelles, administratives und wirtschaftliches Zentrum mit einer alten Geschichte, das jahrhundertelang Teil der Habsburger Monarchie war. Görz, das „Nizza der Donaumonarchie“ genannt wurde, wurde im Ersten Weltkrieg bei heftigen Kämpfen am Isonzo (Soca)-Fluss schwer zerstört.
Das Kulturhauptstadtjahr wurde am 8. Februar mit einem Festakt auf dem Bahnhofsplatz von Nova Gorica offiziell eröffnet. Die Staatspräsidenten Sloweniens und Italiens betonten die historische Bedeutung des gemeinsamen Projekts.
„Zwei Städte, zwei Länder, zwei Völker“
„Zum ersten Mal in der Geschichte bringt die Kulturhauptstadt Europas zwei Städte, zwei Länder und zwei Völker zusammen“, sagte die slowenische Präsidentin Nataša Pirc Musar. Nova Gorica und Gorizia übernehmen den Titel der Kulturhauptstadt Europas Hand in Hand als eine einzigartige Region, die sich ihrer Vergangenheit bewusst ist, aber vor allem Verantwortung für eine gemeinsame Zukunft trägt, betonte sie. In einer Zeit, in der Europa und die Welt am Scheideweg der Werte stehen, dürfe die Vergangenheit bei der Planung der Zukunft nicht vergessen werden, sagte sie.
Nova Gorica wurde nach 1947 unter dem jugoslawischen Staatschef Tito als sozialistische Modellstadt gebaut, um den Westen mit Italien gleich hinter der künstlichen Grenze zu beeindrucken. Jahrzehntelang wurde der Grenzübertritt für Menschen erschwert. Schmuggel fand in beide Richtungen statt.
Italiens Präsident Mattarella: „Glauben an die Zukunft“
„Die erste grenzüberschreitende Kulturhauptstadt Europas zu sein, bedeutet, den Mut zu haben, in einer Zeit, in der sich Schatten, Unsicherheiten und Ängste ausbreiten, ein Träger des Lichts und des Glaubens an die Zukunft der Welt zu sein“, betonte der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella.
„Unsere beiden Städte liegen am jeweiligen Rand unserer Länder und wurden lange Zeit vernachlässigt“, sagte Rodolfo Ziberna, Bürgermeister von Gorizia. „Die Kulturhauptstadt ist eine große Chance für uns!“ Der Bürgermeister von Nova Gorica, Samo Turel, hofft ebenfalls auf viele Besucher, die bis jetzt gerne die zahlreichen Casinos besuchten. Es gibt in der Region viel zu sehen: Vom idyllischen Isonzo (Soca)-Tal, dem Weingebiet Brda, das an den friulanischen Collio grenzt, bis zum Vipavatal mit mittelalterlichen Dörfern. Im Kloster Kostanjevica in Nova Gorica liegt Charles X., der letzte Bourbonen-König Frankreichs, begraben.
Europaplatz oder Piazza Transalpina
Der gemeinsame Platz vor dem 1904 vom Thronfolger Franz Ferdinand eröffneten Bahnhof in Nova Gorica – die Slowenen nennen ihn Trg Evrope (Europaplatz), die Italiener Piazza Transalpina – der früher von einem Grenzzaun durchschnitten wurde, hat für beide Städte eine symbolische Bedeutung. Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres wurde der Platz renoviert, um ihn zu einem einladenden Ort der Begegnung für die Einwohner beider Seiten zu machen. Im Jahr 2004 feierte Slowenien auf dem Platz seinen Beitritt zur EU, drei Jahre später den Fall der Schlagbäume durch die Schengen-Mitgliedschaft. Leider wird durch das Migrantenproblem seit einigen Jahren wieder stichprobenartig kontrolliert.
Andy Warhol und Friedensmarsch
Während des Kulturhauptstadtjahres sind über 400 Veranstaltungen geplant. In Gorizia ist im alten Palais Attems bis Mai eine Ausstellung mit Werken von Andy Warhol zu sehen. Das umfangreiche Programm umfasst Konzerte, Ausstellungen, Festivals und Theateraufführungen sowie kulinarische Veranstaltungen und Führungen in beiden Städten und der Region. Anlässlich des Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs ist Anfang Mai ein „Friedensmarsch“ im Isonzotal geplant. Im Juni wird ein Kongress der Zeitungen für Minderheiten in Europa stattfinden.
Neben Nova Gorica und Gorizia darf sich in diesem Jahr auch die deutsche Stadt Chemnitz Kulturhauptstadt Europas nennen. Die Eröffnungsfeier fand dort am 18. Januar statt.
Infos: https://www.go2025.eu/en





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