Statement über Bedrohungen für die Medienfreiheit in Mitteleuropa
- AEJ Austria
- 1. Feb. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag

AEJ raises concerns at threats to media freedom in Central Europe
(By Otmar Lahodynsky, Honorary President of AEJ International)
Das folgende Statement über Bedrohungen für die Medienfreiheit wurde national und international veröffentlicht (in English below):
In Österreich haben u.a. berichtet: APA, Der Standard, Die Presse, Salzburger Nachrichten, news.at,
ö1 Radio, ORF-Teletext, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten, Reporter ohne Grenzen (ROG)
Interview with Daniela Kraus, Presseclub Concordia, in Ö1 Radio, 1.Februar 2025 mehr
In AEJ-Partnerländern:
Großbritannien mehr
Ungarn mehr
Bulgarien mehr
Belgien mehr
Rumänien mehr
Türkei mehr (Übernahme des englischen Textes von AEJ Großbritannien)
Statement über aktuelle Bedrohungen der Medienfreiheit in Mitteleuropa (von Otmar Lahodynsky, AEJ-Ehrenpräsident)
„Die Vereinigung Europäischer Journalistinnen und Journalisten (AEJ) ist besorgt über aktuelle Bedrohungen und Einschränkungen der Medienfreiheit in Mitteleuropa. Sie gehört zu den Grundwerten der Europäischen Union und benötigt mehr Schutzmaßnahmen, auf nationaler und EU-Ebene. Wir fordern mehr Schutz für unabhängige Medien, die als „4. Macht“ für eine funktionierende Demokratie unersetzbar sind. Es darf keine Einschüchterung seitens der Regierungen über Entzug von Fördermaßnahmen und Inseraten geben.
In mehreren mitteleuropäischen Staaten gibt es derzeit besonderen Grund zur Sorge: In Österreich hat die rechtspopulistische Partei FPÖ, die bei den Parlamentswahlen Ende September 2024 mit 28 Prozent die stimmenstärkste Partei wurde, den Anspruch auf den Kanzler (Regierungschef) gestellt. Sie verhandelt nun mit der auf den zweiten Platz abgestiegenen konservativen ÖVP über eine Koalition.
Aussagen von FPÖ-Chef Herbert Kickl lassen befürchten, dass er als Regierungschef versuchen wird, kritische Medien durch Entzug von staatlicher Presseförderung und öffentlichen Inseraten zu domestizieren. Vor allem der öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF soll auf Regierungslinie gebracht werden. Dazu soll die erst voriges Jahr neu geregelte Gebührenfinanzierung – verpflichtende Beiträge jedes Haushaltes und Unternehmens in Österreich – abgeschafft und durch Budgetbeiträge ersetzt werden.
Der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp hat die liberale Tageszeitung „Der Standard“ wüst beschimpft und mit Entzug von staatlichen Förderungen und Inseraten bedroht. Die FPÖ, die auch im Wahlkampf besonders EU-kritisch aufgetreten ist und im Europaparlament in der rechten Fraktion „Patrioten für Europa“ sitzt, verfügt über ein Netzwerk parteieigener Medien – Mehrere Zeitschriften und auch zwei TV-Kanäle. Bei der „Pressekonferenz“ von FPÖ-Chef Kickl zum Beginn der Koalitionsverhandlungen waren keine Fragen gestattet und mehrere kritische Medien wie die Wochenzeitungen „profil“ und „Falter“ nicht zugelassen worden.
In Deutschland verstärkt die rechtsextreme Partei „Alternative für Deutschland“ (AFD) ihre Attacken auf unabhängige Medien, die sie als „Lügenpresse“ bezeichnet. Für Kritik sorgte das Interview, das AfD—Chefin Alice Weidel dem Chef von „X“, Elon Musk, gab.
Dieser bezeichnete schon zuvor die AfD als die einzige Partei, die in Deutschland mit den Problemen der Migration fertigwerden könne. Nach dem Terroranschlag von Magdeburg verhöhnte Musk zudem den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz als Schwächling.
Damit hat sich ein US-Oligarch und enger Vertrauter des neuen US-Präsidenten Donald Trump direkt in den deutschen Wahlkampf vor den Ende Februar stattfindenden Bundestagswahlen eingemischt. Da seine Plattform „X“ (vormals Twitter) auch das Faktenchecking eingestellt hat, fordert die EU-Kommission nun von „X“ die Bekanntgabe von Algorithmen und hat ein Verfahren wegen Verstoßes gegen den „Digital Services Act“, der Fakenews, Desinformation und Hassreden untersagt, eingeleitet.
Es ist zu befürchten, dass die Nutzer von „X“ über den Einfluss von Musk zunehmend einseitige und schönfärberische Berichte über Trumps Aktivitäten erhalten werden. NGOs und Plattformen, die Fälle von Desinformation untersuchen, sollen staatliche Subventionen verlieren. Ebenso will Trump mit staatlichen Forschungseinrichtungen, die Verletzungen der Medienfreiheit oder Diskriminierung Andersdenkender untersuchen, verfahren.
Trump sieht dies als Zensur und Einschränkung der Meinungsfreiheit.
In Ungarn hat die regierende Fidesz-Partei von Premierminister Viktor Orbán schon seit Jahren die Kontrolle über die meisten Medien erlangt. Nur mehr wenige unabhängige Medien, vor allem im Internet, berichten noch kritisch über die Regierung.
In der Slowakei imitiert der linkspopulistische Premierminister Robert Fico diesen Kurs. Er hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunk völlig unter seine Kontrolle gebracht und dazu die meisten Leitungsfunktionen neu besetzt. Es gibt Protestaktionen von MitarbeiterInnen sowie Demonstrationen.
In der EU gilt die Medienfreiheit als Bestandteil europäischer Werte. Daher sind auch im Bereich der Medienpolitik Konflikte zwischen den USA und der EU zu erwarten.
Die AEJ, gegründet 1962 von Journalisten aus Italien, Frankreich und Deutschland in San Remo (Italien) ist als NGO der Medien-Freiheit und der Europäischen Integration verpflichtet. Zurzeit hat AEJ mehr als 700 Mitglieder in 16 europäischen Ländern.“
English:
AEJ raises concerns at threats to media freedom in Central Europe
(by Otmar Lahodynsky, Honorary President of AEJ International)
The following statement was published in Austria and in AEJ member countries
In AEJ member countries:
Großbritannien mehr
Ungarn mehr
Bulgarien mehr
Belgium mehr
Rumänien mehr
Türkei mehr (English text from AEJ Great Britain)
In Austria: Austrian Press Association (APA), Der Standard, Die Presse, Salzburger Nachrichten, news.at,
ö1 Radio, ORF-Teletext, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten, Reporter ohne Grenzen (ROG)
Interview with Daniela Kraus, Presseclub Concordia, in Ö1 Radio, 1.Februar 2025 mehr
„The Association of European Journalists (AEJ) is concerned about current threats and restrictions to media freedom in Central Europe. It is one of the fundamental values of the European Union and needs more protection at national and EU level. We demand more protection for independent media, which are irreplaceable as the ‘4th power’ for a functioning democracy. There must be no intimidation on the part of governments through the withdrawal of funding and advertising.
There is currently particular cause for concern in several Central European countries:
In Austria, the right-wing populist FPÖ party, which became the party with the most votes in the parliamentary elections at the end of September 2024 with 28 per cent, has laid claim to the position of chancellor (head of government). It is now negotiating a coalition with the conservative ÖVP, which has fallen to second place.
Remarks of FPÖ leader Herbert Kickl caused concerns that, as head of government, he will attempt to domesticate critical media by withdrawing state press subsidies and public advertising. In particular, the public broadcaster ORF is to be brought into line with the government. To this end, the new fee financing system introduced only last year – compulsory contributions from every household and company in Austria – is to be abolished and replaced by budget contributions.
The Viennese FPÖ leader Dominik Nepp has savagely insulted the liberal daily newspaper ‘Der Standard’ and threatened to withdraw state funding and advertising. The FPÖ, which was also particularly critical of the EU during the election campaign and sits in the right-wing ‘Patriots for Europe’ group in the European Parliament, has a network of party-owned media – several magazines and two TV channels. No questions were allowed at FPÖ leader Kickl’s ‘press conference’ at the start of the coalition negotiations and several critical media such as the weekly newspapers ‘profil’ and ‘Falter’ were not allowed to attend.
In Germany, the far-right party ‘Alternative for Germany’ (AFD) is stepping up its attacks on independent media, which it describes as a ‘lying press’. The interview that AfD leader Alice Weidel gave to the head of ‘X’, Elon Musk, was criticised.
The latter had previously described the AfD as the only party that could deal with the problems of migration in Germany. After the terrorist attack in Magdeburg, Musk also mocked German Chancellor Olaf Scholz as a weakling.
A US oligarch and close confidant of the new US President Donald Trump has thus directly interfered in the German election campaign ahead of the federal elections at the end of February. As his platform ‘X’ (formerly Twitter) has also stopped fact-checking, the EU Commission is now demanding that ‘X’ disclose its algorithms and has initiated proceedings for violating the Digital Services Act, which prohibits fake news, disinformation and hate speech.
It is to be feared that the users of ‘X’ will increasingly receive one-sided and whitewashed reports about Trump’s activities via Musk’s influence. NGOs and platforms that investigate cases of disinformation are to lose state subsidies. Trump also wants to deal with state research institutions that investigate violations of media freedom or discrimination against dissidents.
Trump sees this as censorship and a restriction of freedom of expression.
In Hungary, Prime Minister Viktor Orbán’s ruling Fidesz party has gained control of most of the media. Only a few independent media, especially on the internet, still report critically on the government.
In Slovakia, the left-wing populist Prime Minister Robert Fico is imitating this course. He has brought the public broadcaster completely under his control and has also reappointed most of the management positions. There are protests by employees and demonstrations.
In the EU, media freedom is seen as an integral part of European values. Conflicts between the USA and the EU can therefore also be expected in the area of media policy.
AEJ, founded by journalists from Italy, France and Germany 1962 in San Remo (Italy), is a NGO dedicated to Media Freedom and European Integration. Currently AEJ has more than 700 members in 16 European countries.“



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